AL 2 Seoul/Moskau, 5. März 1993
V e r m e r k
Betr.: Gespräch des Herrn Bundeskanzlers mit dem japanischen Premierminister Miyazawa am Samstag, 27. Februar 1993 in Tokio
PM Miyazawa erklärt, bei der Wiedervereinigung Deutschlands habe er beobachten können, wie Geschichte gemacht werde. Der Bundeskanzler habe eine Leistung vollbracht, die in die Geschichte Deutschlands und der ganzen Welt eingehen werde.
Die Entscheidung des Bundeskanzlers im März 1990, den Währungsumtausch auf der Grundlage von 1 : 1 vorzunehmen, sei aus seiner Sicht für den weiteren Verlauf maßgebend gewesen. Eine solche Entscheidung könne nur ein Politiker treffen.
Jetzt stehe der Bundeskanzler vor dem schwierigen Problem der Investitionen in Ostdeutschland und mitten in der Diskussion über den Sozialpakt.
Der Bundeskanzler erklärt, er freue sich, in Tokio zu sein. Dies sei ein Besuch unter Freunden.
Wir erlebten einen dramatischen Augenblick der Weltpolitik. Wir hätten mehr Chancen als Jahre zuvor. Jetzt komme es darauf an, die Chancen zu nutzen.
Zur Lage in Deutschland führt der Bundeskanzler weiter aus, viele hätten noch nicht begriffen, daß wir einen Traum verwirklicht hätten. Jetzt sei die Mauer weg und viele müßten umdenken und dies falle schwer.
Die Rezession mache uns auch in Deutschland zu schaffen. Deswegen sei es sehr wichtig, auf einen Abschluß der GATT-Verhandlungen bis zum Weltwirtschaftsgipfel in Tokio hinzuarbeiten. Dies müsse man
auch den Amerikanern sagen. Man könne nicht noch einmal auf einem Weltwirtschaftsgipfel verkünden, daß man den Abschluß von GATT wolle. Dies müsse jetzt gemacht werden. Ohne GATT werde es auch nicht gelingen, die Rezession umzukehren.
Die Probleme in den neuen Bundesländern seien schwieriger, da die Entwicklung anders als angenommen verlaufen sei. Die DDR sei Teil des RGW gewesen und habe noch 1990 für rund 50 Mrd. DM Waren im RGW-Bereich abgesetzt. Im Sommer 1990 habe er mit Gorbatschow noch über ein Handelsvolumen von 25 Mrd. DM verhandelt. Jetzt sei man bei 5 Mrd. DM angelangt. Dies mache das ganze Problem deutlich:
Er habe damit gerechnet, daß es möglich sein werde, die Betriebe in der früheren DDR langsam auf westliches Niveau umzustellen. Tatsächlich gehe dies alles jetzt viel dramatischer. Der Zusammenbruch der Sowjetunion habe auch bei uns den Prozeß verändert, aber er sei zuversichtlich, daß wir mit den Problemen fertig würden, auch wenn es etwas länger dauere.
In Ostdeutschland entstehe der interessanteste Industriestandort in Europa. Wir hätten dort sehr viel Geld investiert.
Das größte Problem sei die psychologische Lage, die sich aus der mehr als 40jährigen Teilung ergebe. Im Westen heiße es, man solle langsamer machen, im Osten drängten die Menschen darauf, daß es schneller gehe. Aber auch dies sei kein unlösbares Problem.
Er sei zuversichtlich, daß es wirtschaftlich im letzten Vierteljahr wieder aufwärts gehen werde, wenn die amerikanische Wirtschaftspolitik in die richtige Richtung gehe. In Deutschland hätten wir derzeit eine sehr günstige mittel- und langfristige Realverzinsung. Die Realzinsen seien die niedrigsten seit 12 Jahren und damit praktisch auf dem Niveau der USA. Sie seien niedriger als im übrigen Europa, wenn auch nicht niedriger als in Japan. Dies sei eine gute Voraussetzung für Investitionen.
Schließlich wolle er dem Ministerpräsidenten noch sagen, daß der Prozeß der europäischen Einigung zügig weitergehe. Alle zwölf Mitgliedstaaten würden in diesem Jahr den Maastrichter Vertrag
ratifizieren, auch wenn PM Major noch ungeheure Schwierigkeiten wegen der unfairen Methoden seiner Vorgängerin habe.
PM Miyazawa erklärt, er könne auch von Japan aus beobachten, wie groß die von dem Bundeskanzler geschilderten Schwierigkeiten seien. Was die Gesamtperspektive angehe, so stelle sie sich aus japanischer Sicht so dar, daß es mitten in Europa ein neues vereintes Deutschland gebe, das mit Sicherheit eine führende Rolle spielen werde und daß sich zugleich die ehemalige Sowjetunion nach Osten verschiebe.
Der Kern einer europäischen Währung werde die DM sein. Er verstehe, daß wir uns jetzt um die Identität eines neuen Deutschland bemühten. Auch er sei überzeugt, daß die wirtschaftlichen Schwierigkeiten überwunden werden könnten - auch wenn dies zehn Jahre dauere.
Er verstehe auch, daß die psychologischen Probleme wichtig seien, aber Deutschland investiere jetzt in seine Zukunft, und er sei ganz sicher, daß alles gutgehe.
Die Zinsen in Deutschland seien jetzt hoch. Dies habe auch Einfluß auf andere Länder, insbesondere in Europa. Wenn man andererseits an die Lasten denke, die Deutschland habe, müsse man für diese Lage Verständnis aufbringen.
Die Frage von MP Miyazawa, ob Maastricht tatsächlich klappen werde, bejaht der Bundeskanzler, ebenso wie die Zusatzfrage, ob es Gegenstimmen aus den Reihen der Konservativen geben werde.
PM Miyazawa erklärt, er gehe davon aus, daß die Sozialisten die Wahlen in Frankreich verlieren würden. Er frage sich, ob hieraus nicht große Schwierigkeiten entstehen könnten.
Der Bundeskanzler verneint dies unter Hinweis auf die dann fällige Kohabitation.
Auf die Frage von PM Miyazawa nach den nächsten Schritten im Anschluß an die Ratifizierung des Maastrichter Vertrages, erklärt
der Bundeskanzler, 1995 werde der Beitritt Schwedens, Finnlands, Norwegens und Österreichs erfolgen. Dann werde man eine Überprüfungskonferenz haben und in diesem Zusammenhang möglicherweise auch die Entscheidung über die Währung vorziehen.
Er wolle sehr deutlich sagen, daß es mit uns keine Festung Europa geben werde. Wir bräuchten einen offenen Handel. Aus deutscher Sicht sei wichtig, daß es in der EG nicht zu einer Schlagseite beim Export komme. Wegen der kolonialen Vergangenheit wichtiger EG-Mitglieder werde in der Gemeinschaft das Verhältnis zu Afrika überbetont. Tatsächlich sei aber Asien der Kontinent des 21. Jahrhunderts. Sein Ziel sei es, die Beziehungen zwischen EG und ASEAN einerseits sowie zwischen EG und Japan andererseits zu intensivieren.
Gleichzeitig sollten wir die deutsch-japanischen Beziehungen noch enger gestalten. Das gelte für die Sicherheitspolitik und die Abrüstung, sowie für den wirtschaftlichen und kulturellen Bereich. Hierbei könne das deutsch-japanische Dialog-Forum eine wichtige Rolle spielen.
Die Lage sei so günstig wie nie zuvor. Die Gewichte in der Welt würden neu geordnet. Er überlege, ob man nicht eine Art Kooperationsrat ins Leben rufen solle, der sich vor allem mit Fragen der Hochtechnologie und der Umwelttechnik befasse. Wenn diese Überlegungen bei PM Miyazawa auf Resonanz stießen, wolle er den früheren Forschungsminister Riesenhuber mit dieser Aufgabe auf deutscher Seite betreuen.
PM Miyazawa erklärt, er habe nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges Hjalmar Schacht in Berlin getroffen, der seinerzeit Berater der indonesischen Regierung gewesen sei. Er habe Schacht auch um seinen Rat hinsichtlich des Aufbaus in Japan gebeten.
Japan habe nach dem Zweiten Weltkrieg viel von Deutschland gelernt. Schon vor dem Krieg seien die Beziehungen vor allem auf dem Gebiet der Medizin und der Musik sehr eng gewesen. Nach dem Krieg sei der amerikanische Einfluß in der Medizin stark gestiegen.
Er halte das Dialogforum für sehr wichtig. Die führende Persönlichkeit auf japanischer Seite sei der ehemalige PM Kaifu. Insgesamt habe man eine gute Mannschaft zusammen, von der man gute Ergebnisse erwarten könne.
Im allgemeinen habe es immer eine sehr gute Freundschaft zwischen Deutschland und Japan gegeben. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern seien auch heute sehr entspannt.
Ihm sei bewußt, daß Deutschland in Europa die zentrale Rolle spiele. Deshalb befürchte er auch nicht, daß die EG zu einer Festung werde. Andererseits wolle er betonen, daß auch Asien keine Festung werde. Er sei im übrigen überzeugt, daß im Jahre 2015 das BSP der sechs ASEAN-Staaten plus Japans und Chinas größer sein werde als das jeweilige BSP der EG bzw. der Freihandelszone USA, Kanada, Mexiko.
Den Vorschlag des Bundeskanzlers, einen deutsch-japanischen Kooperationsrat für Hochtechnologie und Umwelttechnik zu gründen, werde man sehr sorgfältig prüfen.
Er sei im übrigen sicher, daß die Wirtschaft in Asien weiterhin stark wachsen werde. Die asiatische Region werde, wie gesagt, im 21. Jahrhundert die führende Rolle in der Weltwirtschaft spielen. Japan wolle mit den anderen Ländern der Region eng zusammenarbeiten, allerdings keine Führungsrolle übernehmen. Wohl werde Japan, vor allem in den Bereichen Infrastruktur, Telekommunikation, Ausbildung etc. Hilfe leisten.
Im letzten Monat habe er im Rahmen eines Besuches durch die ASEAN-Länder Präsident Suharto getroffen und dieser habe als Vorsitzender der Blockfreien darauf hingewiesen, daß man von der Konfrontation mit den Industriestaaten abgehe und daß er den Wunsch habe, die neue Haltung der Blockfreien gegenüber den G7 zu erläutern. Ihn interessiere, ob Suharto dieses Thema auch gegenüber dem Bundeskanzler angesprochen habe.
Der Bundeskanzler bejaht dies und erklärt, Suharto habe auch ihm gegenüber die neue Rolle der Blockfreien erläutert, und er müsse sagen, dies sei eindeutig eine Verbesserung, denn ein Teil der blockfreien sei früher kommunistisch unterwandert gewesen. Suharto habe ihm auch seine Absicht erläutert, die Haltung der Blockfreien gegenüber der G7 zu verdeutlichen. Er habe Suharto erklärt, dies sei Sache der G7 und müsse sorgfältig erwogen werden, Das Anliegen Suhartos sei psychologisch sehr delikat, und man müsse vermeiden, irgendjemanden vor den Kopf zu stoßen. Er habe Suharto zugesagt, sein Anliegen sorgfältig zu prüfen. Vielleicht könne man irgendeine Formel finden. Suharto habe im übrigen deutlich erklärt, daß er keine Mitgliedschaft bei der G7 anstrebe.
Man habe auch noch das parallele Problem. der Teilnahme Rußlands, Die Frage sei, ob man beim Status bleibe, den Gorbatschow in London und Jelzin in München gehabt hätten. Auch dieses Problem müsse man noch lösen.
PM Miyazawa erklärt, er habe noch eine Frage, die er im kleinen Kreis besprechen wolle. Kurz vor der Wiedervereinigung habe er mit dem Bundeskanzler in Bonn über Rußland gesprochen. Der Bundeskanzler habe ihm seinerzeit geraten, die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Rußland zu verstärken und hierbei auch auf seine Gespräche mit Gorbatschow verwiesen. Deutschland habe inzwischen seine Einheit erlangt.
Japan habe nach wie vor das Problem der vier Inseln und immer noch keinen Friedensvertrag mit Rußland. In München habe der Bundeskanzler in seiner Eigenschaft als G7-Vorsitzender eine Erklärung abgegeben, mit der die japanische Haltung durch die G7 unterstützt werde. Unmittelbar nach dem Gipfel von München habe Jelzin nach Japan kommen wollen, seinen Besuch aber kurzfristig abgesagt. Die Absage sei telefonisch erfolgt, wobei Jelzin innenpolitische Gründe geltend gemacht habe.
Japan bleibe dabei, daß ein Friedensvertrag mit Rußland notwendig sei und die Territorialfragen gelöst werden müßten. Letztere seien allerdings nur Teil der Gesamtbeziehungen, und Japan verstehe, daß
es schwierig für Jelzin sei, wenn man immer nur "Territorium, Territorium" sage.
Der Bundeskanzler pflichtet dem bei und erklärt, er habe Jelzin im Dezember in Moskau gesagt, daß es im russischen Interesse liege, eine Lösung zu finden. Diese Lösung müsse gesichtswahrend sein. Das Problem Jelzins liege in der Tat in der Innenpolitik. Jelzin befinde sich in einem schwierigen Abschnitt. Wenn er den durchstehe - und das werde sich in den nächsten Monaten zeigen - werde er mehr Bewegung haben.
Er treffe Jelzin am kommenden Donnerstag in Moskau und werde ihn auf das Thema ansprechen. Der Unterzeichner werde dann den M japanischen Botschafter in Bonn entsprechend unterrichten.
PM Miyazawa bedankt sich und erläutert kurz die Vorgeschichte der Kurilen-Frage. Er wäre dem Bundeskanzler sehr dankbar, wenn er Jelzin bei der bevorstehenden Begegnung wissen lasse, daß er - Miyazawa - der Meinung sei, vor einer eventuellen Reise Jelzins nach Japan solle man ein komplettes Szenario erarbeiten, das Jelzin vor Risiken und einem Gesichtsverlust bewahre.
Der Bundeskanzler sagt zu, mit Jelzin in diesem Sinne zu sprechen und den PM über dessen Reaktion zu unterrichten.
PM Miyazawa erklärt, es liege im Interesse aller G7-Staaten, daß in Rußland ein Wandel in Richtung Demokratie und Marktwirtschaft stattfinde und in der Außenpolitik alle Überbleibsel des Stalinismus beseitigt würden. Japan sei bereit, zu diesem Wandel beizutragen.
Der Bundeskanzler begrüßt dies und erklärt, er wolle offen sagen, daß er mit der Haltung des Westens einschließlich der USA gegenüber Rußland nicht zufrieden sei. Entweder werde Jelzin mit dem Versuch, eine pluralistische Demokratie und Marktwirtschaft zu schaffen, Erfolg haben - was ungeheuer schwer sei - dann sei es auch klug, ihm zu helfen. Wenn Jelzin scheitere, komme es zu einem großen Rückschlag, möglicherweise zu einer Militärdiktatur und
dies werde viel, viel teurer. Man müsse daher die Amerikaner entsprechend überzeugen.
Viele hätten ihm im Dezember abgeraten, nach Moskau zu reisen, und tatsächlich sei dies ein sehr wichtiger Besuch gewesen. Clinton werde Jelzin Anfang April treffen - nach seiner Meinung hätte ein solches Treffen früher stattfinden sollen. Es sei wichtig, das psychologische Verhältnis zwischen Japan und Rußland zu verbessern. Wenn er, der Bundeskanzler, dabei behilflich sein könne, werde er das gerne tun. Es sei unser Interesse, daß die Beziehungen zwischen Japan und Rußland, das unser wichtigster Nachbar im Osten sei, funktioniere.
PM Miyazawa erklärt, Japan habe nicht sehr viel Erfahrung im Umgang mit Slawen. Trotzdem bemühe sich Japan und beteilige sich auch an den Unterstützungsprogrammen, die in München vereinbart worden seien. So leiste Japan beispielsweise humanitäre Hilfe in Sibirien.
Der Bundeskanzler erklärt, er wolle deutsch-japanische Beziehungen mit einer besonderen Qualität. Es gebe viele Dinge, die man zusammen machen könne. Die müsse nicht immer plakativ geschehen. Aus diesem Grunde würde er es sehr begrüßen, wenn der Premierminister ihn bald wissen lasse, ob der von ihm angeregte Kooperationsrat auf japanischer Seite Interesse findet.
PM Miyazawa erklärt, er gehe davon aus, daß es in dieser Frage auf japanischer Seite keine große Hürden gebe. Er werde, wie gesagt, eine sorgfältige Prüfung veranlassen.
Zum euro-asiatischen Verhältnis wolle er noch einmal sagen, daß aus japanischer Sicht im 21. Jahrhundert Deutschland eine große Rolle in Europa stellen werde. Rußland werde sich nach Osten orientieren, die Ukraine mehr nach Europa. Ihn interessiere, ob nach Meinung des Bundeskanzlers es in Rußland tatsächlich zu Demokratie und Marktwirtschaft kommen werde.
Der Bundeskanzler erwidert, er sehe hierfür eine 50%ige Chance, und er schließe nicht aus, daß ein großer Teil der GUS-Staaten
wirtschaftliche Assoziierung im Westen suche. Im Augenblick allerdings sei alles im Umbruch und man müsse aufpassen. Sehr, sehr gefährlich sei die Tatsache, daß es dort ungeheure Waffenmengen gebe.
PM Miyazawa erklärt, nach Meinung von Kissinger werde Rußland seine Kraft wieder gewinnen und dann versuchen, die anderen GUS-Staaten zu dominieren.
Der Bundeskanzler erklärt, im Prinzip teile er diese Meinung, allerdings müsse man definieren, was "dominieren" bedeute. Er glaube nicht, daß man zum alten System zurückkehren und die anderen mit Gewalt dominieren könne. Man dürfe im übrigen die religiöse Dimension nicht unterschätzen - dies sei ein kapitaler Fehler Lenins gewesen. Es gebe keinen neuen Menschen.
PM Miyazawa erklärt, in der derzeitigen Situation müsse man sehr vorsichtig sein und vor allem hoffen, daß es keinen Krieg gebe. Ihn würde interessieren, wo die Lage nach Meinung des Bundeskanzlers am gefährlichsten sei.
Der Bundeskanzler erwidert, dies sei eindeutig im Nahen Osten der Fall. Der Fundamentalismus, der vom Iran ausgehe, bedrohe die Golfstaaten. Er wisse auch nicht, wie die Zukunft Saudi-Arabiens sein werde. Auch für Ägypten stelle sich die Frage, was werde, wenn Mubarak nicht mehr regiere. Kritisch sei auch die Lage im Maghreb, insbesondere in Algerien. Explosiv sei schließlich die Lage in den islamischen Republiken der früheren Sowjetunion.
PM Miyazawa stellt die Frage, wer nach Auffassung des Bundeskanzlers hinter dem Fundamentalismus stehe.
Der Bundeskanzler erwidert, beim Fundamentalismus handele es sich zunächst um ein theologisches Prinzip. Die Persönlichkeiten, die dahinter stünden, kenne man nicht genau. Was den Iran angehe, glaube er allerdings, daß Rafsandschani in dieser Frage bremsend wirke. Aber gefährlich sei aus seiner Sicht, daß sich vor allem auch junge Leute - wie beispielsweise in Algerien - der fundamentalistischen Bewegung anschlössen.
Der Bundeskanzler kommt sodann kurz auf die Lage in Jugoslawien zu sprechen und erklärt, es sei eine Tragödie, daß man vor 4 - 5 Jahren keine Lösung gefunden habe, die beispielsweise mehr Autonomie unter einem Dach vorgesehen hätte.
PM Miyazawa erklärt, man höre in Japan von den Skinheads in Deutschland, wisse allerdings auch, daß die Deutschen alles täten, diese Bewegung zu beseitigen.
Der Bundeskanzler erwidert, bei den Skinheads handele es sich um eine verschwindend kleine Gruppe, die nicht das eigentliche Problem sei. Das eigentliche Problem sei die Völkerwanderung in Europa, von der Deutschland im besonderen Maße betroffen sei.
Der Bundeskanzler weist daraufhin, daß allein 1992 450.000 Asylbewerber, 230.000 Flüchtlinge sowie 220.000 Aussiedler nach Deutschland gekommen seien. Dieses Problem könne man nur auf europäischer Ebene lösen.
(Dr. Hartmann)